Nikolaus besucht Bischofskonferenzen in Europa

Europa ist fragwürdig geworden, in doppelter Bedeutung des Wortes. Für viele hat “Europa” nichts mehr zu sagen, für andere, wohl die meisten, umso mehr. Für sie ist Europa besonders frag-würdig, des Fragens würdig.  Was ist Europa als Kontinent, als Wertegemeinschaft? Wie geht es mit Europa weiter angesichts der politischen Lage? Bricht Europa auseinander oder bleibt es eine Einheit? Was wird aus der Ukraine und was macht Griechenland mit Europa? Wohin steuert Europa? Alle blicken auf die Politiker, Merkel, Hollande, Cameron… Putin. Aber nicht nur sie. Hat Europa etwa nur politische Ressourcen? Ist nicht die Religion schon am Beginn, ob in der Rus oder im Westen, eine Ressource. Denn sie hat wesentlich dazu beigetragen, Europa nach der Völkerwanderung und immer nach den Kriegen ein Wertegerüst sowie eine Rechtsordnung zu geben, die den neuen wie den alten Staaten erst Dauer verlieh.

Europa wieder auf dem Weg zu sich selbst
Nach dem Zerbrechen der Sowjetunion sucht Europa wieder nach einer Ordnung. Im Rücken stehen die Weltkriege zwischen den europäischen Staaten. Es gibt noch jemanden, den Europa umtreibt, einen Heiligen, der von fast allen Menschen Europas verehrt wird, und wohl jedem bekannt sein dürfte: St. Nikolaus. Er wird in vielen Ländern Europas als Landespatron verehrt, so in Russland, Serbien, Kroatien, Lothringen. Es gibt so viele dem Nikolaus geweihte Kirchen in ganz Europa, wie für keinen anderen Heiligen. Europa ist überhaupt erst durch die Nikolausverehrung zusammengewachsen, ist er doch der Patron der Kaufleute, die wie am Beginn des Mittelalters auch heute Frieden brauchen, damit Waren über die Grenzen hinaus bewegt werden können. Sie haben ihrem Patron in vielen Städten Kirchen gebaut. Oft nur im Abstand von je einer Tagesreise entstanden überall auf dem europäischen Kontinent Nikolauskirchen, die auch jetzt zur Befreiung und zum weiteren Zusammenwachsen Europas beitragen können. Ein historisches Beispiel ist der Fall der Mauer, der in der Leipziger Nikolai-Kirche seinen Ausgang nahm. Dass Nikolaus da nicht mit im Spiel gewesen sein könnte, ist nicht denkbar.

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Nikolaus ist präsent
Nicht denkbar ist auch, dass Nikolaus aus dem Himmel nur zusieht und sich keine Gedanken über seinen Kontinent machen würde. Ganz im Gegenteil, wir sind sicher, dass  Nikolaus die Ereignisse hier, besonders in der Ukraine, mit großer Sorge verfolgt, besteht doch die Gefahr, dass die Christenheit wieder in Ost und West zerfällt, anstatt gemeinsam Europa wieder zum Glauben zurückzuführen.
Als Helfer sieht Nikolaus das Schicksal der Flüchtlinge in der Ukraine und in Russland. Aus den umkämpften Gebieten im Osten des Landes sind mehr als 500.000 Menschen in die Ukraine geflüchtet, mehr als 800.000 nach Russland. Fast niemand kümmert sich um diese Menschen. sie haben nicht nur ihre Heimat verloren, sondern auch ihre Lebensgrundlage. Die Bergwerke laufen voll Wasser, die Fabriken sind so beschädigt, dass sie kaum noch produzieren können.

Der Sommer-Nikolaus 9. und 22. Mai
Der 9. und 22. Mai: Der Sommer-Nikolaus in der Ukraine und Russland im Mai
Weil Nikolaus den Osten wie den Westen kennt und ein hohes Ansehen in ganz Europa genießt, hören die Bischofskonferenzen auf ihn. Anlass sind die Nikolaus-Festtage am 9. und 22. Mai.
Am 9. Mai wird die Ankunft seiner Gebeine in Bari gefeiert. Höhepunkt der Feiern ist eine große Schiffsprozession, denn Kaufleute dieser süditalienischen Stadt hatten die Gebeine des Nikolaus 1087 aus Myra mitgebracht. Schon 100 Jahre vorher brachte Theophanu, die byzantinische Frau Kaiser Ottos II., eine Reliquie des Heiligen in ihrem Brautgepäck mit, als sie 972 ins Abendland kam. Diese Reliquie wurde im Wormser Dom aufbewahrt, verbrannte aber im pfälzischen Krieg, inzwischen ist eine neue gespendet. Von diesen beiden Orten, Bari und Worms, hat sich die Verehrung des hl. Nikolaus in der ganzen Welt verbreitet. Daneben sind auch Brauweiler am Rhein und Saint Nicolas de Port in Lothringen, an der Mosel südlich von Nancy gelegen, zentrale Orte der Nikolausverehrung.

Der 9. Mai ist zugleich Europatag. Mit dem Datum beginnt die EU, zuerst als Montanunion: Die Schwerindustrie wurde einer Europäischen Behörde unterstellt, um so nationale Waffenproduktionen zur Vorbereitung eines nächsten Krieges zu unterbinden. Am 9. Mai 1950 hat der damalige französische Außenminister Robert Schuman den sog. Schuman-Plan zur Gründung der Montanunion vorgestellt. Ausgearbeitet hatte diesen Plan Jean Monnet, ein Beamter des Außenministeriums in Paris.
Am 22. Mai feiern die orthodoxen Kirchen in der Ukraine und in Russland das gleiche Fest, die Ankunft der Gebeine des Heiligen in Bari. Der Zeitunterschied ist in den unterschiedlichen Kalenderberechnungen begründet.

Nikolaus hat für jede europäische Bischofskonferenz eine besondere Aufgabe 

 

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Nikolaus geht nach Italien. Hier ermuntert er die Bischöfe, den in Seenot geratenen Afrikanern zu helfen. Er selbst hat ja ein Schiff aus Seenot gerettet.
Dann geht Nikolaus nach Österreich. Hier ermuntert er die Bischöfe, die Gespräche mit den Kirchen der Ukraine und dem Moskauer Patriarchat zu intensivieren. In den letzten Jahrzehnten sind viele Kontakte geknüpft worden. Es ist einfacher, wenn sich die Kirchenvertreter im neutralen Wien treffen. Er ermahnt die Katholiken in Österreich, die eigenen Probleme bei der Neuorganisation der Seelsorge nicht so wichtig zu nehmen und ihre Veranwortung wahrzunehmen. Die besteht darin, dass große Teile der heutigen Ukraine einmal zum Habsburger Reich gehörten.

Dann geht Nikolaus nach Polen. Hier bewegt er direkt das Gewissen der Bischöfe. Sie sollen nicht nur die Beziehung zu der mit Rom unierten griechisch-orthodoxen Kirche der Ukraine pflegen. Die Spannungen mit der russischen Orthodoxie sollen sie hinter sich lassen und dem Vorbild des polnischen Papstes folgen, der in seinem Pontifikat die Beziehungen zum Moskauer Patriarchen intensiv gepflegt hat. Der Durchbruch ist noch nicht gelungen. Auch wenn Polen wie die baltischen Länder sich direkt von den Moskauer Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine bedroht fühlen können, sollen sie auf die Kirche des Moskauer Patriarchates zugehen. Nikolaus verspricht, dass diese Spannungen überwunden werden können.
Dann geht Nikolaus nach Deutschland. Hier geht der Heilige, der Ost und West so gut kennt, zuerst nach Bad Godesberg. Dort erinnert er die Verantwortlichen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken daran, dass ihre Vorgänger die Idee für die Gründung der Osteuropa-Stiftung Renovabis hatten. Nikolaus rüttelt die Verantwortlichen auf, mehr Beziehungen in die Ukraine aufzubauen, die Politik mehr zu unterstützen und mit den Laien in der Ukraine zu kooperieren. Den Bischöfen verlangt er auch mehr Engagement ab. Deutschland mit seinen Erfahrungen in der Katastrophenhilfe kann den Flüchtlingen in der Ukraine wirksam helfen, auch durch die Organisation der Hilfslieferungen. Er mahnt, dass zwischen deutschen und ukrainischen Gemeinden mehr Kontakte vermittelt werden.

Dann geht Nikolaus zur kroatischen Bischofskonferenz, denn er ist Patron Kroatiens. Gleichzeitig spricht er den serbischen orthodoxen Bischöfen Mut zu, denn er ist auch hier Patron. Beide Länder haben Bürgerkriegserfahrungen. Sie sollen Fachleute in die Ukraine entsenden, um den Friedensprozess zu unterstützen.

Dann geht er, ehe er die Ukraine besucht, zum Moskauer Patriarchen und seinen Bischöfen. Nikolaus als Patron Russlands findet dort besonderes Gehör. Ihm geht es darum, dass die Gemeinden dieser Kirche in der Ukraine nicht auseinanderbrechen. Die Christianisierung der Region begann in Kiew, daher soll Moskau diese Nabelschnur nicht durchschneiden.

Dann besucht Nikolaus die Ukraine und hier den „Gesamtukrainischen Rat der Kirchen und der religiösen Organisationen.“  Er macht diesem Gremium Mut, das Erreichte nicht aufzugeben. Er ermahnt sie, an die Zukunft der Ukraine zu denken. Wenn die Kirchen vorangehen und im Gespräch bleiben, ist das ein wichtiges Zeichen für das Land, genießen doch die Kirchen bei der Bevölkerung das höchste Ansehen.

All das zeigt, dass Nikolaus der Patron West- und Osteuropas ist, der zur Lösung der vielen aktuellen Probleme Europas beitragen kann.

© Frankfurter Nikolausinitiative

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